"Bauernstoss" ist ein beliebtes Kartenspiel in Erfweiler/ Pfalz. Die Erfweiler Kartenspieler erstaunt es sehr, dass der "Bauernstoss" niemandem in einer unserer Nachbargemeinden bekannt ist. Und niemand aus Erfweiler kennt irgend jemanden irgendwo, der die Regeln dieses Spieles weiß. Niemandem aus Erfweiler ist bekannt, woher das Spiel kommt und wie und wann es hierher gekommen ist. Des Autors Wissen nach ist dies die erste Veröffentlichung der Spielregeln für den Rest der Welt. Falls jemand etwas über dieses Spiel weiß, sollte er sich bitte melden. "Bauernstoss" wird zur Unterhaltung privat oder in der Kneipe gespielt. Es ist nicht so kompliziert wie z.B. Skat und erfordert nicht ganz so viel Aufmerksamkeit wie z.B. Schafkopf. Die Regeln mögen kompliziert zu lesen sein. Aber einmal verinnerlicht, wird man sehen, dass das Spiel einfach ist und viel Unterhaltung bringen kann.
Es spielen je zwei Spieler zusammen. Die beiden Spielerpaare sitzen sich diagonal am Spieltisch gegenüber. Zu Beginn werden die Paare bestimmt. Der Geber gibt jedem Spieler nacheinander offen eine Karte. Die beiden Spieler, die zuerst einen Buben erhalten, spielen zusammen. Der Geber teilt anschließend die gemischten und abgehobenen Karten aus. Jeder Spieler bekommt insgesamt 8 Karten, ausgeteilt im Uhrzeigersinn zu 2 x 4 oder 4 x 2 Karten. Der Geber wechselt nach jedem Spiel im Uhrzeigersinn.
Der "Bauernstoss" leitet sich vom Skat oder Schafkopf ab. Es wird mit einem französischen Blatt mit 32 Karten gespielt. (Sicherlich geht es auch mit einem deutschen Blatt). Alle vier Buben (Bauern) und die sieben anderen Karten einer Farbe sind Trumpf. Der höchste Trumpf ist der Kreuz- Bube, gefolgt vom Pik- (Schippen), Herz- und Karo- Buben. Die Karten einer Farbe werden ebenfalls zu Trumpf. Die Reihenfolge dieser Werte ist As, Zehn, König, Dame, Neun, Acht und Sieben. Buben sind höher als die Karten der Trumpffarbe. Die Karten haben normale Zählwerte (Augen): As (11 Augen), Zehn (10 Augen), König (4), Dame (3), Bube (2). Die Karten 7, 8 und 9 haben keine Augenwerte.
Derjenige Spieler, der die meisten Trümpfe anmelden kann, darf die Trumpffarbe taufen. Trümpfe anmelden darf man nur, wenn man mindestens einen, oder zwei oder drei Buben hat. Man zählt die Anzahl der Buben und die Anzahl der Karten einer Farbe zusammen und meldet diese Zahl. Meist ist es diejenige Farbe, von der am meisten Karten auf der Hand stehen. Es sind Zahlen zwischen 2 und 8 möglich.
Gespielt wie gemeldet wird im Uhrzeigersinn. Zuerst meldet derjenige Spieler, der "vorne" ist, d.h. derjenige der links vom Kartengeber sitzt. Hat er keinen Buben, sagt er "weg". Hat er mindestens einen Buben, so muss er melden. Der Spieler sagt dann die Anzahl seiner möglichen Trumpfkarten (Anzahl der Buben plus die Anzahl der Karten einer Farbe).
Jetzt ist der nächste Spieler dran zu melden. Hat er keinen Buben oder weniger mögliche Trumpfkarten (mit Bube) als der vorherige Spieler, so sagt er "weg" oder "gut". Hat er aber mehr mögliche Trumpfkarten, so sagt er diese höhere Zahl. Das gleiche gilt nun für die beiden weiteren Spieler im Uhrzeigersinn. Hat der nächste mehr als der vorherige, kann er überbieten.
Eine weitere Möglichkeit zu melden besteht auch bei Gleichheit der Anzahl von Trumpfkarten. In diesem Fall entscheidet der Wert der niedrigsten Trumpfkarte, wer die Trumpffarbe bestimmen darf. Bei einer solchen Situation sagt der nächste meldende Spieler "mit". Der erste Spieler nennt den Wert seiner niedrigsten Trumpfkarte, dann der "mit"- Meldende. Derjenige mit dem höchsten Wert der niedrigsten Trumpfkarte tauft die Trumpffarbe. Es können auch mehrere Spieler "mit" melden. Der erste "mit" - Melder muss mindestens eine 8 als niedrigste Trumpfkarte haben, der zweite "mit"- Melder mindestens eine 9 und der dritte mindestens eine Dame.
Steht fest, wer die höchste Anzahl der Trumpfkarten hat (bzw. wer bei Gleichheit den höchsten Werte der niedrigsten Trumpfkarte hat), so wird die Trumpf- Farbe für das aktuelle Spiel benannt. Haben zwei zusammen spielende Partner jeweils "mit" gemeldet, so sind sie frei zu entscheiden, wer von ihnen die Trumpffarbe tauft. Hat ein Spieler 4 Buben, so kann nur ein großes Solo gespielt oder neu gegeben werden (vgl. weiter unten).
Es spielt derjenige aus, der "vorne" ist, d.h. links vom Geber sitzt. Im Uhrzeigersinn wird dann von jedem Spieler eine Karte gelegt. Der Stich gehört demjenigen Paar, das den höchsten Wert der Ausspielfarbe oder den höchsten Trumpf nach dem Ausspielen gelegt hat. Wird eine Farbe ausgespielt, muss diese "bekannt" oder "bedient" werden. Wird z.B. Kreuz ausgespielt, so muss man eine Kreuz- Karte legen. Wird eine Trumpfkarte (inkl. Bube) gespielt, muss man eine Trumpfkarte legen. Hat man keine Karte der ausgespielten Farbe, so muss man immer eine Trumpfkarte legen. Erst wenn weder eine Karte der ausgespielten Farbe noch eine Trumpfkarte auf der Hand ist, kann man eine beliebige Karte legen. Es ist nicht möglich, eine Karte "abzuwerfen", solange man noch Trumpfkarten hat. Eine weitere Besonderheit ist folgendes: Fallen Buben, so müssen diese immer mit höheren Buben überstochen werden (sofern man nicht die ausgespielte Farbe bekennen muss)!
In jedem Spiel werden Striche vergeben. Für jedes Spielerpaar gibt es eine Strichreihe. Die Striche werden auf ein Blatt Papier gemacht. Wer zuerst 20 Striche hat, hat die Partie gewonnen. Gespielt werden kann um Getränke oder um kleine Geldbeträge.
Das "Kreide" Recht ist eine Besonderheit des "Bauernstoss" - Spiels. Wer die "Kreide" hat, benötigt zum Gewinn eines "Striches" und damit des Spiels nur 42 Augen (und nicht wie bei Skat oder Schafkopf 61 von 120 Augen). Im ersten Spiel hat dasjenige Spielerpaar die "Kreide", das den Kreuz- Buben hat. Das "Kreiderecht" bleibt so lange bei diesem Spielerpaar, bis das andere Paar entweder ein Spiel mit mindestens 79 Augen gewinnt, alle Stiche macht oder ein Solo gewinnt. Das Kreiderecht kann theoretisch nach jedem Spiel wechseln. Für Schneider und Schwarz gibt es jeweils einen Strich mehr.
Es gibt folgende Möglichkeiten:
1. Es gilt für das Paar, das die Kreide hat (bzw. im ersten Spiel den Kreuz- Buben):
| bei Augenzahl | Striche | "Kreiderecht" |
| weniger als 42 | 0 | Verlust der Kreide |
| mindestens 42 | 1 | Erhalt der Kreide |
| mindestens 91 | 2 | Erhalt der Kreide |
| Alle Stiche | 3 | Erhalt der Kreide |
| bei Augenzahl | Striche | "Kreiderecht" |
| weniger als 79 | 0 | kein Erwerb der Kreide |
| mindestens 79 | 1 | Erwerb der Kreide |
| mindestens 91 | 2 | Erwerb der Kreide |
| Alle Stiche | 3 | Erwerb der Kreide |
Der "Bauernstoss" kennt zwei verschiedene Solospiele. Es gibt ein "kleines Solo", für das es 8 Striche gibt und ein "großes Solo", das 12 Striche einbringt. Hat ein Spieler eine gute Karte und er meint, dass er alle Stiche macht, kann er einen dieser Soli anmelden. Er meldet dies in der Reihenfolge des normalen Trumpfmeldens. Bei einem Solo spielt ein Spieler allein gegen die zwei des anderen Paares. Der Mitspieler des Solospielers legt seine Karten nieder und nimmt an diesem Spiel nicht teil. Derjenige der vorne ist, spielt aus. Der Solospieler muss alle Stiche machen. Macht das andere Paar nur einen Stich, so gehen die Striche an dieses Paar. Bei einem gewonnen Solospiel bleibt das Kreiderecht erhalten, bei einem verlorenen Solospiel geht das Kreiderecht an das andere Paar über.
Im ersten Spiel einer Partie darf kein Solo gespielt werden.
"Kleines Solo" (oder "Gib mir eine") zu 8 Strichen
Bei einem kleinen Solo muss der Solospieler eine Karte mit seinem Mitspieler austauschen. Der Solospieler nimmt eine seiner 8 Karten und gibt sie an den Mitspieler, indem er sie verdeckt vor ihn auf den Tisch legt. Bevor der Mitspieler diese Karte aufnimmt, nimmt er selbst eine seiner Karten und legt sie auf den Tisch vor den Solo spielenden Partner. Ist diese Karte ein Bube, wird sie offen gegeben. Andernfalls kann die Karte verdeckt bleiben. Der Solospieler nimmt die Karte auf. Anschließend legt der Mitspieler seine Karten nieder, und der Solospieler spielt alleine gegen das andere Paar. Der Solospieler muss alle Stiche machen, um das Solo zu gewinnen und die Striche zu erhalten.
"Großes Solo" (oder "Leg dich") zu 12 Strichen
Wird ein großes Solo angemeldet, legt der Mitspieler seine Karten nieder und der Solospieler spielt alleine gegen das andere Paar. Es wird keine Karte getauscht. Der Solospieler muss alle Stiche machen, um das Solo zu gewinnen.
Alle 4 Buben auf einer Hand
Hat ein Spieler alle 4 Buben auf der Hand, so kann er nur ein großes Solo spielen. Es hier ist nicht möglich, eine Trumpfzahl zu melden oder ein kleines Solo mit Kartentausch zu spielen. Will der Spieler aber kein großes Solo spielen, so wird zusammen geworfen und neu gegeben.
Sind im ersten Spiel einer Partie alle 4 Buben auf einer Hand, wird nicht gespielt sondern neu gegeben.
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